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Kanna Pharmakokinetik — ADME, CYP2D6 & Routen

Definition
Die Pharmakokinetik von Kanna beschreibt, wie die Alkaloide von Sceletium tortuosum (Mesembrin, Mesembrenon, Mesembrenol) im Körper aufgenommen, verteilt, über CYP2D6 metabolisiert und ausgeschieden werden, wobei die Applikationsform Wirkungseintritt und Bioverfügbarkeit maßgeblich beeinflusst.
Die Pharmakokinetik von Kanna beschreibt, wie der menschliche Körper die Alkaloide aus Sceletium tortuosum aufnimmt, verteilt, verstoffwechselt und ausscheidet. Obwohl die Hauptalkaloide — Mesembrin, Mesembrenon und Mesembrenol — chemisch gut charakterisiert sind, bleiben belastbare Humandaten zur Pharmakokinetik dünn gesät. Der Großteil des verfügbaren Wissens stammt aus einer kleinen Zahl klinischer Untersuchungen mit einem spezifischen standardisierten Extrakt (Gericke, 2001), ergänzt durch In-vitro-Metabolismusstudien (Cashman et al., 2009) und die praktischen Beobachtungen tausender Anwender über die letzten zwei Jahrzehnte. Dieser Artikel arbeitet den aktuellen Wissensstand systematisch auf, benennt offene Fragen und erklärt, warum die Applikationsroute so entscheidend ist.
Was Pharmakokinetik für Kanna-Anwender bedeutet
Pharmakokinetik beschreibt, was der Körper mit einem Wirkstoff macht — im Gegensatz zur Pharmakodynamik, die beschreibt, was der Wirkstoff mit dem Körper macht. Für Kanna ist diese Unterscheidung besonders relevant, weil die Pflanze mehrere aktive Alkaloide enthält, deren Verhalten sich je nach Einnahmeform, Zubereitungsart und individueller Enzymausstattung der Leber erheblich unterscheidet.
Die vier klassischen pharmakokinetischen Phasen — Absorption, Distribution, Metabolismus und Exkretion (oft als ADME abgekürzt) — werfen bei Sceletium-Alkaloiden jeweils eigene Fragen auf. Die publizierte Literatur wird von Arbeiten an einem einzigen standardisierten 25:1-Extrakt dominiert, der in klinischen Studien zum Einsatz kam. Diese Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf rohes Pflanzenmaterial, fermentierten Kougoed oder nicht-standardisierte Extrakte mit abweichenden Alkaloidverhältnissen übertragen. Diese Einschränkung zieht sich durch den gesamten Artikel und ist zentral für das Verständnis der Kanna-Pharmakokinetik in der Praxis.
Absorption und Wirkungseintritt nach Applikationsroute
Die Absorptionsgeschwindigkeit ist die wichtigste Variable in der Kanna-Pharmakokinetik — und sie hängt maßgeblich von der Applikationsroute ab. Bei oraler Einnahme — ob als Kapsel, Tee oder fermentiertes Pflanzenmaterial — durchlaufen die Alkaloide den First-Pass-Metabolismus in der Leber, bevor sie den systemischen Kreislauf erreichen. Anwender berichten typischerweise von Eintrittszeiten zwischen 30 und 90 Minuten bei oraler Dosierung, wobei diese Spanne durch Mageninhalt, individuelle Magenmotilität und die konsumierte Zubereitungsform beeinflusst wird. In einer klinischen pharmakokinetischen Untersuchung des standardisierten Extrakts wurden messbare Mesembrin-Plasmaspiegel etwa 30 Minuten nach oraler Einnahme nachgewiesen (Gericke, 2001), allerdings bei kleinen Stichprobengrößen.
Bei sublingualer Applikation — dem Halten von Pulver oder Extrakt unter der Zunge — wird der hepatische First-Pass-Metabolismus teilweise umgangen, da die Alkaloide über die Mundschleimhaut direkt ins Blut gelangen. Anwender beschreiben konsistent einen schnelleren Wirkungseintritt über diesen Weg, häufig innerhalb von 10 bis 20 Minuten, und berichten bei gleicher Nominaldosis über subjektiv stärkere Effekte. Das passt zu einer höheren Bioverfügbarkeit durch teilweise Umgehung des First-Pass-Metabolismus, obwohl keine publizierte Studie die sublinguale mit der oralen Bioverfügbarkeit von Mesembrin beim Menschen direkt verglichen hat.
Insufflation (nasale Applikation) erzeugt den schnellsten berichteten Wirkungseintritt — mitunter innerhalb weniger Minuten — und geht mit den intensivsten initialen Effekten einher. Die Nasenschleimhaut ist stark durchblutet, was eine rasche Absorption bei minimalem First-Pass-Verlust ermöglicht. Allerdings birgt die Insufflation Risiken für die Nasenschleimhaut und erschwert die Dosiskontrolle, insbesondere bei konzentrierten Extrakten.
Der entscheidende Punkt: Dieselbe Milligrammmenge derselben Zubereitung kann je nach Applikationsroute zu deutlich unterschiedlichen Plasmakonzentrationen führen. Das ist keine pharmakokinetische Fußnote — es beeinflusst unmittelbar sowohl die Wirkungsintensität als auch das Ausmaß potenzieller Interaktionsrisiken mit serotonergen Substanzen. Die folgende Tabelle fasst die praktischen Unterschiede zusammen:
| Applikationsroute | Typischer Wirkungseintritt | Geschätzter Wirkungsgipfel | Subjektive Wirkdauer | First-Pass-Metabolismus |
|---|---|---|---|---|
| Oral (Kapsel/Tee) | 30–90 Min. | 1–2 Stunden | 3–5 Stunden | Vollständig |
| Sublingual | 10–20 Min. | 15–45 Min. | 2–4 Stunden | Teilweise umgangen |
| Insufflation | 2–10 Min. | 10–30 Min. | 1,5–3 Stunden | Weitgehend umgangen |
Hinweis: Diese Werte sind Näherungen, abgeleitet aus Anwenderberichten und begrenzten klinischen Daten. Die interindividuelle Variabilität ist erheblich.
Pflanzenmaterial versus Extrakte
Die Zubereitungsform von Kanna prägt das Absorptionsprofil unmittelbar und macht den Produkttyp zu einer pharmakokinetischen Schlüsselvariablen. Rohes Pflanzenmaterial enthält Sceletium-Alkaloide in vergleichsweise niedrigen Konzentrationen — typischerweise 0,3–1,5 % Gesamtalkaloide bezogen auf das Trockengewicht, abhängig von Erntezeitpunkt, Pflanzenteil und Aufbereitungsmethode (Smith et al., 1996). Extrakte — insbesondere standardisierte Zubereitungen mit 25:1 oder höheren Konzentrationsverhältnissen — liefern deutlich mehr Alkaloid pro Milligramm eingenommenem Material.
Das bedeutet: Extraktdosen sind vom Absolutgewicht her wesentlich kleiner, doch die Alkaloidmenge, die pro Dosis den Blutkreislauf erreicht, kann erheblich höher sein. Für die Pharmakokinetik ist nicht entscheidend, wie viele Milligramm Produkt du zu dir nimmst, sondern wie viele Milligramm aktives Alkaloid die systemische Zirkulation erreichen. Eine 25-mg-Dosis eines 25:1-Extrakts und eine 625-mg-Dosis rohen Pflanzenmaterials mögen auf dem Papier eine ähnliche Gesamtalkaloidmenge enthalten — ihre Absorptionsprofile, einschließlich Eintrittsgeschwindigkeit, Spitzenplasmakonzentration und Fläche unter der Kurve, werden aber kaum identisch sein, weil die Matrix (Pflanzenfaser versus konzentriertes Pulver) Auflösung und Absorptionsrate beeinflusst.
Traditionell fermentierter Kougoed bringt eine weitere Variable ins Spiel. Der Fermentationsprozess verändert das Alkaloidprofil, verschiebt typischerweise das Mesembrin-zu-Mesembrenon-Verhältnis und reduziert den Oxalatgehalt (Smith et al., 1996). Ob diese Veränderungen die Absorptionskinetik beim Menschen klinisch relevant beeinflussen, wurde bislang nicht direkt untersucht. Die unterschiedlichen Alkaloidproportionen bedeuten jedoch, dass das pharmakokinetische Profil fermentierten Materials nicht mit dem von unfermentierter Pflanze oder einem mesembrin-standardisierten Extrakt gleichgesetzt werden kann.
Metabolismus und die CYP2D6-Frage
Mesembrin wird primär durch das Cytochrom-P450-Enzym CYP2D6 metabolisiert — damit wird die genetische Variabilität dieses Enzyms zu einem der wichtigsten individuellen Faktoren in der Kanna-Pharmakokinetik (Cashman et al., 2009). Das ist aus zwei Gründen pharmakokinetisch bedeutsam.
Erstens ist CYP2D6 polymorph: Genetische Variation in der Bevölkerung erzeugt „langsame Metabolisierer" (Poor Metaboliser), „intermediäre Metabolisierer", „extensive Metabolisierer" und „ultraschnelle Metabolisierer". Etwa 5–10 % der europäischen Bevölkerung sind CYP2D6 Poor Metaboliser (Bradford, 2002). Bei diesen Personen verläuft die Mesembrin-Clearance langsamer, was bei jeder gegebenen Dosis zu höheren Plasmakonzentrationen und einer längeren Wirkdauer führt. Das erklärt wahrscheinlich einen Teil der breiten interindividuellen Variabilität in der Kanna-Wirkung, die Anwender beschreiben.
Zweitens wird CYP2D6 durch eine Reihe gängiger Arzneimittel gehemmt, darunter mehrere SSRI (insbesondere Fluoxetin und Paroxetin) sowie andere serotonerge Substanzen. Nimmt jemand einen CYP2D6-Hemmer ein, ist der Mesembrin-Metabolismus beeinträchtigt, was potenziell sowohl die Intensität als auch die Dauer der serotonergen Kanna-Wirkung steigert. Dadurch entsteht eine pharmakokinetische Interaktion, die sich auf die pharmakodynamische Interaktion aufaddiert — sowohl die Substanz als auch die Enzymhemmung treiben die serotonerge Aktivität gleichzeitig nach oben.
Dieser Doppel-Interaktionsmechanismus ist einer der Gründe, warum die Kombination von Kanna mit SSRI, SNRI, MAO-Hemmern, trizyklischen Antidepressiva und anderen serotonergen Substanzen (einschließlich 5-HTP, Johanniskraut und MDMA) ein relevantes Risiko birgt. Wer serotonerge Medikamente einnimmt, sollte diese nicht mit Kanna kombinieren.
Die Metaboliten von Mesembrin sind beim Menschen nicht vollständig charakterisiert. Ob einzelne Metaboliten serotonerge oder PDE4-hemmende Aktivität behalten — und damit zum Gesamtwirkprofil beitragen — bleibt eine offene Frage der Kanna-Pharmakokinetik-Forschung.
Distribution, Wirkungsgipfel und Wirkdauer
Der subjektive Wirkungsgipfel tritt bei oraler Einnahme des standardisierten Extrakts etwa 1 bis 2 Stunden nach der Einnahme ein, die Gesamtdauer spürbarer Effekte liegt zwischen 2 und 5 Stunden. Publizierte Daten zum Verteilungsvolumen, zur Proteinbindung und zur Gewebepenetration von Sceletium-Alkaloiden beim Menschen fehlen jenseits dieser Beobachtung praktisch vollständig. Sublinguale und nasale Applikation komprimieren diesen Zeitverlauf: schnellerer Wirkungsgipfel — häufig innerhalb von 15 bis 45 Minuten — und eine tendenziell kürzere Gesamtdauer, wobei individuelle Berichte stark variieren.
Die Plasmahalbwertszeit von Mesembrin beim Menschen ist in der publizierten Literatur nicht präzise bestimmt worden. Schätzungen auf Basis der klinischen pharmakokinetischen Arbeit mit dem standardisierten Extrakt deuten auf eine Halbwertszeit im Bereich weniger Stunden hin, doch diese Zahl sollte als Annäherung behandelt werden. Für die Praxis ist der relevante Punkt, dass akute Effekte einer Einzeldosis bei den meisten Anwendern und Applikationsrouten innerhalb von 4 bis 6 Stunden abklingen — pharmakologisch wirksame Konzentrationen können jedoch länger bestehen bleiben, insbesondere bei CYP2D6 Poor Metabolisern oder Personen, die CYP2D6-Hemmer einnehmen.
Dieses Fenster residualer Aktivität ist relevant für jeden, der eine Nachdosierung oder die Kombination von Kanna mit anderen Substanzen am selben Tag in Betracht zieht.
Exkretion und Auswaschphase
Die renale Ausscheidung von Metaboliten ist die wahrscheinlichste primäre Eliminationsroute für Sceletium-Alkaloide — abgeleitet aus Analogien zu anderen lipophilen Pflanzenalkaloiden, die über CYP450-Enzyme metabolisiert werden. Der Exkretionsweg ist in publizierten Humanstudien jedoch nicht charakterisiert worden. Ob unverändertes Mesembrin renal ausgeschieden wird und wie die terminale Eliminationshalbwertszeit aussieht, bleibt unbekannt.
Eine praktische Konsequenz dieser Datenlücke: Die Auswaschphase — also die Zeit, bis Kanna-Alkaloide und aktive Metaboliten vollständig aus dem Körper eliminiert sind — lässt sich nicht mit Sicherheit angeben. Wer auf serotonerge Medikamente umstellt oder von solchen absetzt, sollte bedenken, dass residuale Kanna-Aktivität über das subjektive Abklingen der Wirkung hinaus bestehen kann. Angesichts der oben beschriebenen CYP2D6-Variablen ist das ein Punkt, der mit einer qualifizierten Fachperson besprochen werden sollte.
Aus unserem Laden: Was wir von Kunden hören
In über 25 Jahren bei Azarius haben wir tausende Fragen zur Kanna-Pharmakokinetik beantwortet — auch wenn die wenigsten Kunden dieses Wort benutzen. Das häufigste Muster, das wir sehen: Jemand nimmt eine orale Dosis Kanna-Extrakt, spürt nach 45 Minuten wenig und dosiert zu früh nach. Eine Stunde später treffen beide Dosen gleichzeitig ein, und die Erfahrung fällt deutlich intensiver aus als erwartet. Das ist eine klassische pharmakokinetische Falle: Orales Kanna hat eine langsame, variable Absorptionskurve, und das Stapeln von Dosen vor dem Erreichen des Wirkungsgipfels der ersten Dosis ist der mit Abstand häufigste Dosierfehler, den wir beobachten.
Wir hören auch regelmäßig von Leuten, die von oralen Kapseln auf sublinguales Pulver umsteigen und überrascht sind, wie anders sich die Erfahrung anfühlt — schneller, schärfer und bei gleicher Milligrammmenge spürbar stärker. Das deckt sich vollständig mit dem oben beschriebenen Bioverfügbarkeitsunterschied, und genau deshalb empfehlen wir immer, bei einem Routenwechsel mit einer niedrigeren Menge zu beginnen. Ehrlich gesagt: Wir können dir deine exakte Mesembrin-Plasmakurve nicht nennen — das kann beim aktuellen Stand der Wissenschaft niemand. Aber wir können sagen, dass Geduld beim Wirkungseintritt und Respekt vor Routenunterschieden dich näher an eine vorhersagbare Erfahrung bringen als alles andere.
Noch etwas, das uns am Tresen auffällt: Kunden, die zum ersten Mal Kanna-Extrakt ausprobieren, nehmen oft an, er verhalte sich wie Koffein — schnell rein, schnell raus. Wenn wir die CYP2D6-Variable erklären und die Möglichkeit, dass sie ein langsamer Metabolisierer sein könnten, sieht man förmlich den Groschen fallen. Ein Stammkunde erzählte uns, er habe sich monatelang gewundert, warum Kanna bei ihm doppelt so lange wirkt wie bei seinem Freund, der dieselbe Dosis nimmt — CYP2D6-Polymorphismus war mit ziemlicher Sicherheit die Antwort.
Und dann gibt es eine Frage, die wir erstaunlich oft hören: „Kann ich nicht einfach mehr nehmen, damit es schneller wirkt?" Die Antwort ist nein — eine höhere Dosis beschleunigt nicht die Absorption, sie erhöht nur die Gesamtalkaloidmenge, die letztlich ankommt. Eine höhere Dosis bei gleicher langsamer oraler Absorptionskurve bedeutet einen höheren Wirkungsgipfel, keinen schnelleren. Wir haben Leute gesehen, die das auf die harte Tour lernen, und es ist immer besser, die vollen 90 Minuten abzuwarten, bevor man eine orale Dosis als unzureichend einstuft.
Eine Kundengeschichte: Der sublinguale Umsteiger
Ein besonders anschauliches Beispiel ereignete sich erst kürzlich. Ein langjähriger Kunde hatte über ein Jahr lang Kanna-Kapseln oral eingenommen, mit konsistenten, sanften Ergebnissen. Er beschloss, einen Kanna-Extrakt sublingual auszuprobieren — bei gleicher Milligrammdosis wie immer. Eine Woche später kam er mit großen Augen zurück und sagte, es habe sich angefühlt wie eine komplett andere Pflanze. War es natürlich nicht — es waren dieselben Alkaloide, die seinen Blutkreislauf schneller und in höherer Konzentration erreichten, weil er die pharmakokinetische Gleichung durch den Routenwechsel verändert hatte. Wir haben mit ihm besprochen, seine sublinguale Dosis zu halbieren, und seitdem läuft es rund. Geschichten wie diese sind der Grund, warum wir finden, dass jeder, der Kanna erkundet, zumindest die Grundlagen der Absorptionsrouten verstehen sollte.
Kanna-Pharmakokinetik im Vergleich zu anderen Pflanzenwirkstoffen
Das pharmakokinetische Profil von Kanna ist weitaus schlechter dokumentiert als das der meisten vergleichbaren psychoaktiven Pflanzenstoffe. Im Vergleich zu Kratom, dessen Hauptalkaloid Mitragynin eine publizierte orale Halbwertszeit von etwa 3–4 Stunden und einen gut charakterisierten CYP3A4-Metabolismus aufweist, sind die Kanna-Daten spärlich. Im Vergleich zu Kava, wo die Absorption von Kavalactonen und der hepatische Metabolismus in mehreren klinischen Studien untersucht wurden, hinkt die Sceletium-Forschung um Jahrzehnte hinterher. Selbst Blue Lotus — ein weiteres Ethnobotanical mit serotonergen Eigenschaften — verfügt über ähnlich dürftige pharmakokinetische Daten, was Kannas Datenlücke eher zur Regel als zur Ausnahme unter psychoaktiven Pflanzenstoffen macht. Die ehrliche Einschränkung ist, dass die pharmakokinetische Wissenschaft schlicht nicht mit der Popularität dieser Pflanzen Schritt gehalten hat — und wer präzise Bioverfügbarkeitszahlen für Kanna behauptet, extrapoliert weit über die publizierte Evidenz hinaus.
Pharmakokinetische Kernparameter auf einen Blick
Die folgende Tabelle konsolidiert die bekannten und geschätzten pharmakokinetischen Parameter für Mesembrin, das Hauptalkaloid in Kanna, basierend auf verfügbaren klinischen und In-vitro-Daten.
| Parameter | Wert / Schätzung | Evidenzniveau |
|---|---|---|
| Primäres metabolisierendes Enzym | CYP2D6 | In-vitro bestätigt (Cashman et al., 2009) |
| Oraler Wirkungseintritt | 30–90 Minuten | Klinische Beobachtung + Anwenderberichte |
| Oraler Wirkungsgipfel | ~1–2 Stunden | Begrenzte klinische Daten (Gericke, 2001) |
| Geschätzte Halbwertszeit | Einige Stunden (unpräzise) | Abgeleitet aus klinischer PK-Studie |
| Orale Bioverfügbarkeit | Durch First-Pass-Metabolismus reduziert (nicht quantifiziert) | Abgeleitet |
| Prävalenz CYP2D6 Poor Metaboliser | 5–10 % der europäischen Bevölkerung | Publizierte Populationsdaten (Bradford, 2002) |
| Primärer Exkretionsweg | Vermutlich renal (Metaboliten) | Analogieschluss |
| Aktive Metaboliten identifiziert | Nicht vollständig charakterisiert | Datenlücke |
Hinweis: Viele dieser Werte sind Schätzungen oder Ableitungen. Belastbare pharmakokinetische Humanstudien mit adäquaten Stichprobengrößen stehen weiterhin aus.
Warum die Datenlücken wichtig sind
Der aktuelle Stand der Kanna-Pharmakokinetik-Forschung enthält mehr Fragen als Antworten. Der standardisierte Extrakt aus klinischen Studien hat die einzigen kontrollierten pharmakokinetischen Daten geliefert, und selbst dieser Datensatz ist in Stichprobengröße und Umfang begrenzt. Für rohes Pflanzenmaterial, fermentierten Kougoed und nicht-standardisierte Extrakte existieren pharmakokinetische Humandaten praktisch nicht.
Das bedeutet nicht, dass Kanna per se gefährlich ist — es bedeutet, dass Dosis-Wirkungs-Beziehungen, optimales Timing und Interaktionsrisiken mit mehr Unsicherheit behaftet sind, als es bei einem gut untersuchten Arzneimittel der Fall wäre. Die praktische Konsequenz: Mit niedrigen Dosen zu beginnen, ausreichend Zeit zur Wirkungsbeurteilung vor einer Nachdosierung einzuplanen und serotonerge Kombinationen zu vermeiden, sind nicht bloß generische Harm-Reduction-Ratschläge — sie sind die rationale Antwort auf ein genuinely unvollständiges pharmakokinetisches Bild. Sowohl die EMCDDA als auch die Beckley Foundation haben auf den Bedarf an rigoroserer pharmakokinetischer Forschung zu Ethnobotanicals mit ZNS-Aktivität hingewiesen, und Sceletium ist ein erstrangiger Kandidat dafür. Auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) betont regelmäßig, dass bei pflanzlichen Psychoaktiva die wissenschaftliche Datenbasis häufig hinter der Verbreitung zurückbleibt.
Quellenverzeichnis
- Bradford, L.D. (2002). CYP2D6 allele frequency in European Caucasians, Asians, Africans and their descendants. Pharmacogenomics, 3(2), 229–243.
- Cashman, J.R. et al. (2009). Metabolism of Sceletium tortuosum alkaloids by cytochrome P450 enzymes. Drug Metabolism and Disposition, 37(4), 827–834.
- EMCDDA (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction). Risk assessment framework for novel psychoactive substances and botanical preparations with serotonergic activity.
- Gericke, N. (2001). Clinical studies on Sceletium tortuosum. Presented data on pharmacokinetics of a standardised Sceletium extract.
- Smith, M.T. et al. (1996). Psychoactive constituents of the genus Sceletium N.E.Br. and other Mesembryanthemaceae: a review. Journal of Ethnopharmacology, 50(3), 119–130.
- Beckley Foundation. Research programme on psychoactive plant pharmacology and policy frameworks.
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Informationsportal zu psychoaktiven Substanzen und Suchtprävention.
Zuletzt aktualisiert: April 2026

Häufig gestellte Fragen
6 FragenWie schnell wirkt Kanna je nach Einnahmeform?
Warum wirkt Kanna bei manchen Menschen stärker als bei anderen?
Kann ich durch eine höhere Dosis den Wirkungseintritt beschleunigen?
Wie lange hält die Wirkung von Kanna an?
Warum ist die Datenlage zur Kanna-Pharmakokinetik so dünn?
Ist Kanna mit SSRI kombinierbar?
Über diesen Artikel
Adam Parsons ist ein erfahrener Cannabis-Autor, Redakteur und Schriftsteller mit langjähriger Mitarbeit an Fachpublikationen in diesem Bereich. Seine Arbeit umfasst CBD, Psychedelika, Ethnobotanika und verwandte Themen.
Dieser Wiki-Artikel wurde mit KI-Unterstützung verfasst und von Adam Parsons geprüft, External contributor. Redaktionelle Aufsicht durch Joshua Askew.
Medizinischer Hinweis. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere vor der Verwendung einer Substanz eine qualifizierte Fachperson im Gesundheitswesen.
Zuletzt geprüft am 12. Mai 2026
References
- [1]Bradford, L.D. (2002). CYP2D6 allele frequency in European Caucasians, Asians, Africans and their descendants. Pharmacogenomics , 3(2), 229–243. DOI: 10.1517/14622416.3.2.229
- [2]Cashman, J.R. et al. (2009). Metabolism of Sceletium tortuosum alkaloids by cytochrome P450 enzymes. Drug Metabolism and Disposition , 37(4), 827–834.
- [3]EMCDDA (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction). Risk assessment framework for novel psychoactive substances and botanical preparations with serotonergic activity.
- [4]Gericke, N. (2001). Clinical studies on Sceletium tortuosum . Presented data on pharmacokinetics of a standardised Sceletium extract.
- [5]Smith, M.T. et al. (1996). Psychoactive constituents of the genus Sceletium N.E.Br. and other Mesembryanthemaceae: a review. Journal of Ethnopharmacology , 50(3), 119–130. DOI: 10.1016/0378-8741(95)01342-3
- [6]Beckley Foundation. Research programme on psychoactive plant pharmacology and policy frameworks.
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