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Linalool – Terpen mit Lavendelduft im Überblick

Definition
Linalool (3,7-Dimethylocta-1,6-dien-3-ol) ist ein Monoterpenalkohol mit charakteristischem Lavendelduft, der in über 200 Pflanzenarten vorkommt — darunter Lavendel, Koriander, Basilikum und Cannabis. Linck et al. (2010) beobachteten anxiolytische Effekte bei Mäusen, die Linalooldampf ausgesetzt waren. Mit einem Siedepunkt von etwa 198 °C ist es das am höchsten siedende gängige Cannabismonoterpen.
Was ist Linalool?
Linalool (3,7-Dimethylocta-1,6-dien-3-ol) ist ein Monoterpenalkohol — genauer gesagt ein Terpenoid, weil seine Struktur eine Hydroxylgruppe (–OH) enthält, die reinen Monoterpenen fehlt. Der Duft ist unverkennbar blumig, klar lavendelartig, mit einem weichen, leicht würzigen Unterton. Die Verbindung kommt in einer erstaunlichen Bandbreite von Pflanzen vor: Lavendel, Birkenrinde, Koriandersamen, Rosenholz, Basilikum und über 200 weiteren Arten. In Cannabis ist Linalool bei den meisten Sorten ein Nebenterpen, kann aber in bestimmten Genetiken mit »Lavender«-Abstammung über 1 % des Trockengewichts ausmachen. Sein Siedepunkt liegt bei etwa 198 °C — der höchste unter den gängigen Cannabismonoterpenen — was für alle, die einen temperaturgesteuerten Vaporizer benutzen, unmittelbare Konsequenzen hat.

Wer schon einmal das Gesicht in einen frischen Lavendelstrauß gedrückt und dabei gespürt hat, wie sich etwas in den Schultern löst, kennt die Visitenkarte von Linalool. Die Verbindung gehört zu den am besten untersuchten Terpenen in der Literatur zu ätherischen Ölen — allerdings stammt der Großteil dieser Forschung aus Studien mit Lavendelölinhalation, nicht mit Cannabisblüten. Zwischen dem, was tatsächlich belegt ist, und dem, was auf Terpenmarketingseiten recycelt wird, liegt ein beachtlicher Unterschied.
Aromaprofil und sensorischer Charakter
Linalool wird oft mit einem einzigen Wort beschrieben — »Lavendel« — aber das greift zu kurz. Der Duft ist geschichtet: Eine helle, klare Blütennote sitzt über einer leicht holzigen, fast zitrusnahen Mitte, und ganz unten schwingt eine dezente pfeffrige Wärme mit. In Cannabissorten, bei denen Linalool dominiert, riecht die Blüte weniger nach klassischem »Dank« und mehr nach einem Kräutergarten nach dem Regen. Viele beschreiben eine parfümartige Süße, die diese Sorten deutlich von myrcen- oder pinenreichen Linien unterscheidet.

Linalool existiert als zwei Enantiomere — (R)-(–)-Linalool und (S)-(+)-Linalool — und die riechen leicht unterschiedlich. Die (R)-Form, dominant in Lavendel, tendiert stärker ins Blumige; die (S)-Form, häufig in Koriander und Basilikum, neigt zu einem holzigen, leicht würzigen Charakter. Cannabis produziert beide, und das Verhältnis variiert je nach Sorte. Das erklärt, warum zwei Pflanzen, die auf dem Laborzettel beide als »linalool-dominant« stehen, trotzdem verschieden riechen können.
Natürliche Quellen
| Natürliche Quelle | Typischer Linaloolgehalt | Deutscher Pflanzenname |
|---|---|---|
| Lavandula angustifolia (Blüte) | 25–45 % des ätherischen Öls | Echter Lavendel |
| Cinnamomum camphora (Blatt — ct. Linalool) | 80–90 % des ätherischen Öls | Ho-Holz / Rosenholz |
| Coriandrum sativum (Samen) | 60–80 % des ätherischen Öls | Koriander |
| Ocimum basilicum (Blatt) | 40–55 % des ätherischen Öls | Basilikum |
| Betula spp. (Rinde) | Variabel, Nebenkomponente | Birke |
| Cannabis sativa (Blüte) | 0,01–1,5 % des Trockengewichts | Cannabis / Hanf |
Rosenholz (Aniba rosaeodora) war historisch eine der reichsten kommerziellen Linaloolquellen, doch Übernutzung hat die Art ökologisch unter Druck gesetzt. Heute wird industrielles Linalool — das Zeug in deiner Seife, deinem Waschmittel und deinem Raumspray — überwiegend synthetisiert oder aus Ho-Holz und Lavendel gewonnen. Die Verbindung ist in Konsumprodukten so allgegenwärtig, dass ein durchschnittlicher Europäer ihr dutzende Male am Tag begegnet, ohne es zu merken.

Chemie und Verdampfung
Linalools Summenformel lautet C₁₀H₁₈O bei einer molaren Masse von 154,25 g/mol (PubChem CID 6549). Die Hydroxylgruppe macht es polarer als reine Kohlenwasserstoffterpene wie Myrcen oder Pinen, was Flüchtigkeit und Löslichkeit beeinflusst. In Ethanol und den meisten organischen Lösungsmitteln löst es sich gut, in Wasser dagegen nur schwer.

Mit 198 °C liegt der Siedepunkt von Linalool über dem von Myrcen (~167 °C), Limonen (~176 °C) und Pinen (~155 °C). Für Vaporizer-Nutzer bedeutet das: Linalool ist eines der letzten Monoterpene, das aus der Cannabisblüte verdampft. Wer sein Gerät im unteren Temperaturband (~155–175 °C) betreibt, erfasst Pinen und Myrcen, lässt aber einen Großteil des Linalools im Pflanzenmaterial zurück. Erst oberhalb von 195 °C wird Linalool vollständiger freigesetzt — allerdings extrahierst du in diesem Bereich auch mehr Cannabinoidmaterial und riskierst, die leichteren Terpene thermisch abzubauen.
| Terpen | Siedepunkt (°C) | Hinweise zum Verdampfungsband |
|---|---|---|
| Pinen | ~155 | Verdampft bei niedrigsten Vaporizereinstellungen |
| Myrcen | ~167 | Unteres bis mittleres Band |
| Limonen | ~176 | Mittleres Band |
| Linalool | ~198 | Oberes Band; braucht höhere Temperaturen für vollständige Freisetzung |
Was sagt die präklinische Forschung?
Linalool verfügt über die umfangreichste inhalationsbezogene Datenlage aller gängigen Cannabisterpene — aber diese Aussage verdient einen dicken Asterisk. Die meisten Studien untersuchen ätherisches Lavendelöl (das zu 25–45 % aus Linalool besteht, daneben aber Dutzende weitere Verbindungen enthält), nicht isoliertes Linalool und erst recht nicht Linalool im Kontext einer Cannabisblüte. Von Lavendelaromatherapie auf Cannabispharmakologie zu schließen, ist ein Sprung, den die Datenlage bisher nicht trägt.

Mit dieser Einschränkung im Hinterkopf:
Linck et al. (2010) berichteten über anxiolytische Effekte bei Mäusen, die Linalooldampf ausgesetzt waren — reduzierte angstbezogene Verhaltensweisen im Elevated-Plus-Maze-Test ohne signifikante motorische Beeinträchtigung. Guzmán-Gutiérrez et al. (2015) fanden, dass inhaliertes Linalool in einem Mausmodell antidepressivartige Wirkungen zeigte, und vermuteten eine Beteiligung des serotonergen Systems — konkret der 5-HT₁A-Rezeptorwege. Sabogal-Guáqueta et al. (2016) untersuchten Linalool in einem dreifach-transgenen Alzheimer-Mausmodell und beobachteten Reduktionen neuroinflammatorischer Marker und Amyloid-β-Plaques, wobei es sich um eine einzelne präklinische Studie ohne Replikation am Menschen handelt.
Zum Thema Sedierung: Sugawara et al. (1998) dokumentierten Veränderungen autonomer Nervensystemparameter bei Menschen, die linaloolreiches Lavendelöl inhalierten, und stellten eine Verschiebung in Richtung parasympathischer Dominanz fest — also jener Abteilung des Nervensystems, die mit Ruhe und Erholung assoziiert ist. Die Stichproben waren allerdings klein, die Exposition betraf Lavendelöl statt isoliertes Linalool, und das Studiendesign kontrollierte nicht für Erwartungseffekte (Menschen wissen, dass Lavendel »beruhigend sein soll«).
Die ehrliche Zusammenfassung: Präklinische Daten zu Linalool sind interessant und intern konsistent — mehrere Nagetierstudien weisen in ähnliche Richtungen. Aber der Abstand zwischen »Mäuse in einem Labyrinth« und »Mensch inhaliert Cannabisblüte mit 0,5 % Linalool neben THC, CBD, Myrcen und fünfzig weiteren Verbindungen« bleibt groß.
Die lavendelduftigen Sorten spalten die Kundschaft wie kaum etwas anderes. Die eine Hälfte sagt »Das ist wunderschön, genau die will ich.« Die andere Hälfte schaut misstrauisch, als hätte jemand versehentlich ein Duftsäckchen zwischen die Blüten gelegt. Einen Mittelweg gibt es nicht.
Linalool in Cannabissorten
In den meisten Cannabissorten taucht Linalool nur in Spurenmengen auf — deutlich unter 0,5 % des Trockengewichts. Zum dominanten Terpen wird es nur in bestimmten Genetiken, von denen viele auf »Lavender«- oder »LA Confidential«-Linien zurückgehen. In Sorten, bei denen Linalool das Hauptterpen ist, berichten Nutzer häufig von einem blumigen, fast parfümartigen Aroma, das sich klar von den erdigen, zitrusartigen oder harzigen Profilen abhebt, die man üblicherweise mit Cannabis verbindet. Sensorische Beschreibungen sprechen oft von einer »sanften« oder »runden« Qualität — ob das ein pharmakologischer Effekt des Linalools ist oder schlicht die subjektive Wirkung eines angenehmen Dufts, lässt sich mit der aktuellen Datenlage nicht auseinanderhalten.

Vollspektrum-CBD-Produkte behalten das Terpenprofil des Ausgangshanfs bei, sodass linaloolbetonte Hanfsorten diesen blumigen Charakter in den Extrakt tragen. Breitspektrumprodukte enthalten typischerweise noch Terpene, können aber die flüchtigeren während der Verarbeitung verlieren. Isolatprodukte enthalten definitionsgemäß überhaupt keine Terpene.
Kontaktallergenrisiko: Oxidiertes Linalool
Linalool selbst ist ein vergleichsweise milder Hautreizstoffe. Das Problem entsteht, wenn es oxidiert. Bei Luftkontakt bildet Linalool schrittweise Hydroperoxide — Linaloolhydroperoxid ist der Hauptverursacher —, die in der dermatologischen Fachliteratur als Kontaktallergene dokumentiert sind. Sköld et al. (2004) identifizierten oxidiertes Linalool als signifikanten Sensibilisator, und die Verbindung ist inzwischen in der europäischen Baseline-Epikutantestreihe für Duftstoffallergie enthalten.

Für Cannabisnutzer ist das vor allem im Kontext von topischen Produkten oder hochkonzentrierten Terpenmischungen relevant. Linalool aus frischer Cannabisblüte in natürlichen Konzentrationen (typischerweise unter 1,5 %) zu inhalieren, ist ein völlig anderes Expositionsprofil, als oxidiertes Lavendelöl auf die Haut aufzutragen. Trotzdem sollte jeder, der eine bekannte Duftstoffallergie hat — besonders gegen lavendelbasierte Produkte —, wissen, dass linalool-dominante Cannabissorten dieselbe Verbindung enthalten.
Erwähnenswert ist auch, dass isolierte Terpenprodukte (terpenversetzte Vape-Liquids, sogenannte »Strain-Replication«-Mischungen) Linalool in Konzentrationen und Verhältnissen liefern, die in der Natur nicht vorkommen. Das Sicherheitsprofil von Linalool bei 0,5 % in einer komplexen Pflanzenmatrix ist nicht dasselbe wie bei 10–20 % in einer synthetischen Mischung. Langzeitdaten zur Inhalationssicherheit isolierter Terpene in hohen Konzentrationen sind derzeit dünn.
Quellenverzeichnis
- Guzmán-Gutiérrez, S.L. et al. (2015). Linalool and β-pinene exert their antidepressant-like activity through the monoaminergic pathway. Life Sciences, 128, S. 24–29.
- Linck, V.M. et al. (2010). Effects of inhaled linalool in anxiety, social interaction and aggressive behavior in mice. Phytomedicine, 17(8-9), S. 679–683.
- Sabogal-Guáqueta, A.M. et al. (2016). Linalool reverses neuropathological and behavioral impairments in old triple transgenic Alzheimer's mice. Neuropharmacology, 102, S. 111–120.
- Sköld, M. et al. (2004). The fragrance chemical linalool generates oxidation products with contact allergenic properties. Contact Dermatitis, 50(1), S. 3–8.
- Sugawara, Y. et al. (1998). Sedative effect on humans of inhalation of essential oil of linalool. Analytica Chimica Acta, 365(1-3), S. 293–299.
- PubChem CID 6549 — Linalool. National Center for Biotechnology Information.
Zuletzt aktualisiert: April 2026
Häufig gestellte Fragen
8 FragenWonach riecht Linalool?
Bei welcher Temperatur verdampft Linalool im Vaporizer?
In welchen Cannabissorten ist Linalool dominant?
Ist Linalool ein Allergen?
Welche Pflanzen enthalten besonders viel Linalool?
Was sagt die Forschung zu Linalool und Angst?
Wird Linalool bei einem üblichen Drogentest nachgewiesen?
In welchen Cannabis-Sorten ist besonders viel Linalool enthalten?
Über diesen Artikel
Luke Sholl schreibt seit 2011 über Cannabis, Cannabinoide und die weitreichenden Vorteile der Natur und baut seit über einem Jahrzehnt selbst Cannabis in Homegrow-Zelten an. Diese praktische Anbauerfahrung – die den gesa
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Zuletzt geprüft am 25. April 2026
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