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Philip Morris Cannabis Niederlande: Marlboro im Coffeeshop

AZARIUS · How Big Tobacco walked into the Dutch wietexperiment
Azarius · Philip Morris Cannabis Niederlande: Marlboro im Coffeeshop

Marlboro im Coffeeshop? Was wie eine schlechte Pointe klingt, ist seit Dezember Realität: Altria, der US-Tabakkonzern hinter Philip Morris USA, ist über Umwege Miteigentümer des größten Cannabisproduzenten im niederländischen Wietexperiment geworden. Eine gemeinsame Recherche von NU.nl, Investico und De Groene Amsterdammer hat aufgedeckt, dass CanAdelaar in Hellevoetsluis – jährlich rund 20.000 Kilo Cannabis, Lieferant für jeden teilnehmenden Coffeeshop – inzwischen an einem Konzern hängt, der seit Jahrzehnten Zigaretten verkauft.

Das ist keine neutrale Wirtschaftsnachricht. Wir verkaufen seit 1999 Hanfsamen, Vaporizer und Harm-Reduction-Literatur über unseren Amsterdamer Tresen. Seit Anfang der 2010er kreisen die Anzugträger um die Szene. Das Kreisen ist vorbei – sie sind gelandet. Und die niederländische Regierung wertet das Experiment nächstes Jahr aus. Das Zeitfenster, um sich dagegen zu wehren, ist genau jetzt.

Aus unserem Laden: Die unabhängige niederländische Cannabis-Szene wurde von Growern, Breedern, Coffeeshop-Besitzern und sturen Idealisten aufgebaut. Keiner von ihnen brauchte Marlboros Buchhalter, damit es funktioniert. Wer bei uns Samen bestellen oder einen Grinder kaufen kommt, sucht keinen Vorstand aus Virginia in der Lieferkette.

Wie Big Tobacco im Wietexperiment gelandet ist

Der Weg führte über Kanada. Altria hatte 2019 fast die Hälfte der kanadischen Cannabisfirma Cronos übernommen. Im Dezember kündigte Cronos dann an, CanAdelaar für 57,5 Millionen Euro zu kaufen. CanAdelaar ist der größte Produzent im sogenannten geschlossenen Coffeeshop-Ketten-Experiment, das etwa fünf Jahre lang in zehn niederländischen Gemeinden läuft.

AZARIUS · Wie Big Tobacco im Wietexperiment gelandet ist
AZARIUS · Wie Big Tobacco im Wietexperiment gelandet ist

Wer Boards liest, versteht die Geschichte: Vier von sieben Cronos-Vorstandsmitgliedern arbeiten oder arbeiteten bei Altria. Wenn CanAdelaar Journalisten erzählt, man arbeite unabhängig und „Cronos ist kein Tabakkonzern", und Cronos hinzufügt, Altria habe keine Kontrolle über das Tagesgeschäft – dann darfst du selbst entscheiden, wie viel Tageslicht zwischen Marlboro-Geld und dem Cannabis liegt, das in den teilnehmenden Coffeeshops über den Tresen geht.

Philip Morris International erklärt seinerseits, man stelle auf rauchfreie Alternativen um. Altria hat auf die Fragen der Journalisten gar nicht erst geantwortet. Dieses Schweigen ist eine eigene Form von Antwort.

Die Lieferkette auf einen Blick

AkteurRolleVerbindung
AltriaUS-Tabakriese (Marlboro)Hält seit 2019 rund 45 % an Cronos
Cronos GroupKanadischer Cannabis-Konzern4 von 7 Vorständen mit Altria-Vergangenheit
CanAdelaarGrößter Produzent im WietexperimentÜbernahme durch Cronos für 57,5 Mio. €
Teilnehmende CoffeeshopsVerkauf in 10 GemeindenBeliefert durch CanAdelaar (~20.000 kg/Jahr)

Warum Big Tobacco Cannabis will – und warum dich das beunruhigen sollte

Cannabis steht laut der Forscherin Rachel Barry von der University of Bath seit den 1970er Jahren auf der Diversifizierungsliste der Tabakindustrie. Eine halbes Jahrhundert lang hat die Branche Cannabis als lukratives Standbein im Blick gehabt. Das ist kein Opportunismus nach einer politischen Wende in Den Haag – das ist eine Strategie, die geduldig auf eine offene Tür gewartet hat.

AZARIUS · Warum Big Tobacco Cannabis will – und warum dich das beunruhigen sollte
AZARIUS · Warum Big Tobacco Cannabis will – und warum dich das beunruhigen sollte

Die Tür heißt jetzt leider Wietexperiment. Eine staatlich abgesegnete Lieferkette, die jeden Coffeeshop in zehn Gemeinden versorgt, ist genau die Art Standbein, für das ein 57,5-Millionen-Euro-Scheck eines Tabakkonzerns plötzlich sehr vernünftig aussieht.

Die Sorge ist nicht nur „Cannabis statt Zigaretten". Marc Willemsen vom Trimbos-Institut hat es nüchtern auf den Punkt gebracht: Die Industrie könnte Menschen dazu bringen, gleichzeitig zu kiffen UND zu vapen – doppelter Konsum, doppelter Profit. Genau das ist das Geschäftsmodell. Die Blüte verkaufen, den Vape verkaufen, die Einwegkartusche verkaufen, die Nachfüllpackung verkaufen. Die unabhängige Amsterdamer Szene baut auf einer ehrlichen Transaktion mit einem Kunden auf. Das Marlboro-Modell braucht dich nächste Woche wieder im Laden, und die Woche danach auch.

Das Drehbuch kennen wir schon

  • Finanzierte Pseudowissenschaft: Big Tobacco hat in der Vergangenheit irreführende Kampagnen, fragwürdige Studien und sogenannte Front Groups finanziert. Forscher Benoit Gomis (Toronto/Bath) sagt, dasselbe Lobby-Drehbuch werde nun genutzt, um positive Botschaften über Cannabis zu streuen.
  • Gekaufte Forschung: Aspeya, eine Tochter von Philip Morris International, hat neun von elf Autoren hinter mindestens vier Cannabisstudien zu THC und CBD bezahlt. Kevin Jenniskens von Cochrane Niederlande fand in diesen Arbeiten deutlichen Spin, selektive Datenauswahl und unklare Geldgeberrollen.
  • Influencer-Marketing für Vapes: Tom Bart von Jellinek erinnert daran, wie Big Tobacco Influencer, Social Media und Tochterfirmen nutzte, um Vapes an bestehenden Regeln vorbei zu vermarkten. Bei Cannabis ein anderes Verhalten zu erwarten, wäre naiv.

Die Schlupflöcher („geitenpaadjes"), die keine Regel schließt

Auf dem Papier ist das Wietexperiment streng geregelt: kein Werbeverbot ist nur Dekoration, kein Verkauf an Minderjährige, klare Vorgaben. Trotzdem fürchten alle sieben Sucht- und Tabakexperten, die für die Recherche befragt wurden, Schlupflöcher. Die Niederländer haben sogar ein Wort dafür: „geitenpaadjes" – die kleinen Ziegenpfade, die ums Zaungatter herumführen.

AZARIUS · Die Schlupflöcher („geitenpaadjes"), die keine Regel schließt
AZARIUS · Die Schlupflöcher („geitenpaadjes"), die keine Regel schließt

Genau dieser Teil macht uns hinter dem Tresen am unruhigsten. Die Regeln wurden für einen heimischen, mittelständischen Cannabissektor geschrieben. Sie sind nicht gegen einen Multi getestet worden, der jahrzehntelange Erfahrung darin hat, Marketing über Tochterfirmen zu leiten, „Lifestyle"-Inhalte zu sponsern und still die Forschung zu finanzieren, die Politiker später zitieren. Wenn Philip Morris International sagt, man stelle auf „rauchfreie Alternativen" um, ist das keine Beruhigung – das ist ein Stadtplan. Rauchfrei heißt Vapes. Vapes heißen wiederkehrende Kunden, altersuneindeutige Aromen und eine Marketingfläche, die es bei der Konzeption des Wietexperiments noch gar nicht gab.

Aus unserem Laden: Kunden fragen uns regelmäßig, warum wir uns die Mühe machen, kleine Seedbanks und Grinder aus Manufakturen zu führen. Weil in dem Moment, in dem alles im Regal von drei Konzernen kommt, die Kultur tot ist. Bei Bier haben wir das beobachtet. Bei Vapes haben wir das beobachtet. Bei Cannabis wollen wir nicht zusehen müssen. Ehrliche Einschränkung: Wir wissen noch nicht, wie die Evaluation ausgehen wird, und wir tun nicht so, als wüssten wir es.

Die niederländische Regierung wertet das Experiment nächstes Jahr aus. Diese Auswertung muss sich anschauen, wem die Lieferkette tatsächlich gehört – nicht nur, ob sie funktioniert. Sonst hat ein Versuch, der ein in der Gemeinschaft verwurzeltes niederländisches Modell formalisieren sollte, es am Ende einer Zigarettenfirma mit Hauptsitz in Virginia in die Hände gelegt. Gemessen an dem, wofür Organisationen wie die Beckley Foundation seit Jahren plädieren – evidenzbasierte, gemeinschaftsnahe Cannabispolitik – sieht die aktuelle Richtung wie das genaue Gegenteil aus.

Stand: April 2026

Häufig gestellte Fragen

Was hat Philip Morris konkret mit dem niederländischen Cannabis-Experiment zu tun?
Philip Morris USA gehört zum Mutterkonzern Altria, und Altria hält seit 2019 knapp die Hälfte am kanadischen Cannabisunternehmen Cronos. Cronos kauft gerade CanAdelaar, den größten Produzenten im niederländischen Wietexperiment, für 57,5 Millionen Euro. Über diese Kette landet Tabakgeld direkt in der staatlich kontrollierten Cannabis-Lieferkette der zehn teilnehmenden Gemeinden.
Ist CanAdelaar damit ein Tabakunternehmen?
Offiziell nein. CanAdelaar sagt, man arbeite unabhängig, und Cronos betont, kein Tabakkonzern zu sein. Wenn aber vier von sieben Cronos-Vorständen aus dem Altria-Umfeld kommen und der größte Anteilseigner der Marlboro-Hersteller ist, ist das eine Frage der Definition. Faktisch fließt der Cannabis-Gewinn anteilig zu Altria zurück.
Warum drängt Big Tobacco überhaupt in den Cannabismarkt?
Weil Zigarettenabsatz in westlichen Ländern seit Jahrzehnten sinkt und die Branche eine Diversifizierung sucht. Forscherin Rachel Barry hat dokumentiert, dass Cannabis seit den 1970ern auf der Liste steht. Marc Willemsen vom Trimbos-Institut warnt vor dem doppelten Geschäftsmodell: Blüte plus Vape, zwei Produkte pro Konsument.
Schützen die strengen Regeln des Wietexperiments nicht vor Marketing-Tricks?
Auf dem Papier ja – kein Werbung, kein Verkauf an Minderjährige. In der Praxis fürchten alle sieben befragten Sucht- und Tabakexperten Schlupflöcher. Tom Bart von Jellinek verweist auf das Vape-Vorbild: Influencer, Social Media, Tochterfirmen. Die Regeln wurden für einen mittelständischen Sektor entworfen, nicht für einen erfahrenen Multi.
Wann fällt die Entscheidung über die Zukunft des Experiments?
Die niederländische Regierung evaluiert das Experiment im kommenden Jahr. Damit ist jetzt der Moment, in dem die Eigentumsverhältnisse in der Lieferkette politisch eine Rolle spielen sollten – nicht erst dann, wenn das Modell verstetigt ist und ein Tabakkonzern bereits fester Bestandteil der niederländischen Cannabispolitik geworden ist.

Über diesen Artikel

Joshua Askew ist Chefredakteur für die Wiki-Inhalte von Azarius. Er ist Managing Director bei Yuqo, einer Content-Agentur, die auf redaktionelle Arbeit in den Bereichen Cannabis, Psychedelika und Ethnobotanik in mehreren

Dieser Blog-Artikel wurde mit KI-Unterstützung verfasst und von Joshua Askew geprüft, Managing Director at Yuqo. Redaktionelle Aufsicht durch Adam Parsons.

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Zuletzt geprüft am 8. Juni 2026

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