Dieser Artikel behandelt psychoaktive Substanzen für Erwachsene (18+). Konsultiere einen Arzt, wenn du eine Erkrankung hast oder Medikamente nimmst. Unsere Altersrichtlinie
Cannabis LST: Low Stress Training Schritt für Schritt

Definition
Low Stress Training (LST) ist eine schneidefreie Trainingsmethode, bei der du Cannabiszweige sanft biegst und fixierst, um das Blätterdach abzuflachen und die apikale Dominanz zu brechen. Mehr Blütenstände bekommen direktes Licht — laut Chandra et al. (2017) der zentrale Hebel für den Ertrag in canopy-limitierten Indoor-Setups.
Nur für Erwachsene — dieser Leitfaden richtet sich an Grower ab 18 Jahren. Anbauregeln unterscheiden sich je nach Land und Region und ändern sich häufig. Dieser Text dient ausschließlich der Aufklärung und ersetzt keine rechtliche Beratung.
Was LST tatsächlich mit einer Cannabispflanze macht
Low Stress Training (LST) ist eine schneidefreie Trainingsmethode: Du biegst Zweige vorsichtig zur Seite und fixierst sie, damit sich das Blätterdach abflacht und die apikale Dominanz gebrochen wird. Geschnitten wird nichts — du lenkst das Wachstum lediglich um. Das Ziel: mehr Blütenstände bekommen direktes Licht ab. In einem Zelt mit begrenzter Fläche ist das der größte Hebel für den Ertrag pro Watt.

Der Mechanismus dahinter ist überschaubar. Cannabis besitzt eine starke apikale Dominanz — die Hauptcola produziert ein Hormon (Auxin), das seitliche Triebe unterdrückt. Biegst du den Haupttrieb zur Seite, flacht diese hormonelle Hierarchie ab. Die Seitentriebe schießen nach oben, um die freigewordene Spitzenposition zu erobern — und statt einer großen Cola hast du plötzlich acht oder zehn. In unserem eigenen Zelt verdoppelt LST bei einer einzelnen Photoperiod-Pflanze die nutzbaren Blütenstände verglichen mit untrainiertem Wachstum.
Die Canopy-Forschung stützt das Bauchgefühl: Chandra et al. (2017) zeigten, dass die Photosynthese von Cannabis auf Blattebene bei etwa 1.500 µmol/m²/s PPFD gesättigt ist. Der Gesamtertrag wird jedoch dadurch limitiert, wie viel Blattmasse du während der Blüte im Sweetspot zwischen 600 und 1.000 PPFD halten kannst. LST ist der Weg, diese produktive Fläche zu vergrößern, ohne mehr Licht zu installieren.
Wann du beginnst — und bei welchen Pflanzen
Bei Photoperiod-Pflanzen startest du das LST bei 4–6 Nodien, also grob 3–4 Wochen nach der Keimung. Bei Autoflowern schon früher, bei Node 3–4. Trainiere während der gesamten Wachstumsphase weiter und höre etwa eine Woche nach dem Umschalten auf 12/12 auf, sobald der Blütestretch sich beruhigt hat. Biegen während des stärksten Stretches (Tag 7–14 der Blüte) funktioniert zwar noch, aber die Gefahr, bereits verholzte Stängel zu knicken, steigt deutlich.

Bei Autoflowern ist das Zeitfenster enger und die Spielregeln sind andere. Autos blühen altersbedingt, nicht lichtbedingt — du hast insgesamt nur 3–5 Wochen, bevor sie komplett auf Blütenproduktion umstellen. Fang bei Node 3 oder 4 an und arbeite behutsamer, denn Erholungszeit ist ein Luxus, den Autos nicht haben. Manche Grower verzichten bei schnellen 9-Wochen-Sorten komplett aufs Training, und das ist eine nachvollziehbare Entscheidung (Pepin et al., 2020).
Schritt 1: Die Ausrüstung zusammenstellen
Fünf grundlegende Dinge brauchst du, und keins davon ist teuer. Entscheidend ist, dass die Bindungen nicht in den Stängel einschneiden:

| Gegenstand | Zweck | Hinweise |
|---|---|---|
| Weiche Pflanzenbinder | Biegen und Fixieren der Stängel | Kunststoffummantelter Draht, Klett-Gartenband oder Pfeifenreiniger. Dünner Draht und Angelschnur sind tabu. |
| Stofftopf oder gebohrter Plastiktopf | Ankerpunkte für die Binder | 11–20 Liter für ein 60×60- oder 80×80-Zelt. |
| Bohrer oder Lochzange | Löcher im Topfrand bei Plastiktöpfen | Bohre 4–8 Löcher vor dem Umtopfen. |
| Stäbe oder Bambusspieße | Ankerpunkte in der Topfmitte | Optional, nützlich wenn der Rand zu weit weg ist. |
| Kleine scharfe Schere | Binder schneiden und umsetzen | Saubere Klingen vermeiden Schäden beim Lösen. |
- Weiche Pflanzenbinder — kunststoffummantelter Draht, Klett-Gartenband oder Pfeifenreiniger funktionieren am besten.
- Keine Angelschnur — dünnes Material schneidet sich unter Last durch einen schwellenden Stängel.
Schritt 2: Die erste Biegung (apikale Dominanz brechen)
Die erste Biegung bricht die apikale Dominanz, indem du den Haupttrieb zur Seite kippst, sodass Seitentriebe mitkonkurrieren können. Sobald die Pflanze 4–6 Nodien entwickelt hat und der Haupttrieb noch biegsam ist, wählst du eine Richtung und biegst die Spitze nach unten und weg von der Topfmitte in Richtung Topfrand. Die Spitze des Haupttriebs soll tiefer liegen als die umgebenden Seitentriebe.

Legst du einen weichen Binder locker als Schlaufe um den Haupttrieb knapp unterhalb der Spitze und befestige das andere Ende an einem Loch im Topfrand. Die Schlaufe soll den Stängel in der neuen Position halten, nicht in ihn einschneiden — eine lockere Achter-Schlaufe funktioniert gut. Fühlt sich der Stängel steif an, biege langsam über 30 Sekunden, statt Druck aufzubauen. Ein sauberer „Greensplit" (der Stängel knickt an, bricht aber nicht ganz) erholt sich laut Grower-Berichten meist in wenigen Tagen; ein vollständiger Bruch ist ein echter Rückschlag.
Schritt 3: Die Canopy in 2–4 Wochen ausbreiten
Breite das Blätterdach aus, indem du jeden kräftigen Seitentrieb nach außen in Richtung Topfrand bindest, sobald er nach der frei gewordenen Spitzenposition strebt. Das Ziel ist eine Form, die von oben wie ein Speichenrad aussieht — mit 6–10 Hauptcolas, die ungefähr gleichmäßig um das Zentrum verteilt sind. Binde alle 3–5 Tage während der aktiven Wachstumsphase nach: Ein Trieb, den du am Montag heruntergebunden hast, braucht am Freitag oft schon die nächste Korrektur, weil er sich längst wieder nach oben gereckt hat.

Zwei Dinge im Blick behalten: Kein einzelner Zweig darf die anderen überragen (biege den höchsten jedes Mal wieder herunter), und keine Blätter aufeinanderstapeln — große Fächerblätter lieber unter kleinere Zweige klemmen, statt sie während der Vegetation abzuschneiden. Entlaubung ist eine eigene Technik — LST funktioniert auch ohne.
Schritt 4: Übergang in die Blüte
Bei Photoperiod-Pflanzen machst du die letzte größere Fixierung etwa eine Woche vor dem Umschalten auf 12/12. Die Canopy soll so flach wie möglich sein, denn der Blütestretch (ungefähr Tag 1–21 der 12/12-Phase) schiebt je nach Genetik alles um 50–100 % nach oben. Sativa-dominante Hybriden strecken sich stärker als indica-dominante.

Während des Stretches machst du kleine Anpassungen — hier einen leichten Zug, dort ein erneutes Fixieren — bis die Pflanze das vertikale Wachstum einstellt und ihre Energie in die Blütenbildung steckt. Ab Woche 3 der Blüte hörst du vollständig auf zu trainieren. Die Stängel sind verholzt, die Pflanze ist festgelegt, und jedes weitere Biegen riskiert einen abgebrochenen, mit Blüten beladenen Zweig.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
- Zu fest gebunden. Binder sollten sich beim Ziehen einen Millimeter verschieben lassen. Stängel schwellen während der Blüte — was in Woche 4 sitzt, schnürt in Woche 8 ab.
- Zu früh trainiert. Warte auf 4–6 Nodien. Sämlinge mit 2 Nodien haben noch nicht genug Wurzelmasse gebildet, um die Umlenkung zu verkraften.
- Autoflower-Timing ignoriert. Eine Auto in Woche 5 biegen, wenn sie bereits blüht, verschenkt das ohnehin knappe Wachstumsfenster.
- Einmal zu stark gebogen. Lieber diese Woche 60° und nächste Woche weitere 30° als ein erzwungener 90°-Knick, der den Stängel spaltet.
- VPD vergessen. Ohne passende Umgebung bringt das alles nichts. Halte die Vegetation bei ~0,8–1,1 kPa VPD und die Blüte bei 1,0–1,5 kPa (Fluence, 2022). Eine gestresste Pflanze im falschen Klima erholt sich nicht sauber vom Training.
Bei einer Royal Queen Seeds Northern Light (Photoperiod) im letzten Herbst waren wir uns uneinig: Einer wollte bei Node 4 früh und offensiv ins LST, der andere noch eine Woche vegetieren lassen. Wir haben früh angefangen. Die Pflanze hat vier Tage eingeschnappt, dann regelrecht in die Breite geschossen und am Ende 11 Colas in einem 60×60 geliefert. Andererseits: Eine Dutch-Passion-Auto hat sich bei uns nach einer Biegung in Woche 3 nie wieder wirklich erholt. Genetik und Timing zählen beide — ein Patentrezept gibt es nicht.

LST vs. Topping, FIM und SCROG
LST ist die risikoärmste Trainingsmethode — deshalb lernen Einsteiger sie meist zuerst. Topping (Abschneiden des apikalen Meristems) und FIM (Einkneifen) erzielen ähnliche Effekte für die Canopy, erfordern aber einen Schnitt, von dem sich die Pflanze 5–10 Tage erholen muss. SCROG (Screen of Green) ist im Grunde LST mit einem horizontalen Gitternetz — du schiebst die Zweige unter das Netz, statt sie einzeln zu binden. Für eine einzelne Pflanze in einem kleinen Zelt reicht LST meist aus. Ab 2+ Pflanzen oder Zelten größer als 80×80 lohnt sich SCROG.

Du kannst Techniken auch kombinieren: Einmal bei Node 5 toppen, dann die beiden entstandenen Haupttriebe per LST nach außen ziehen. Konsequent zu Ende gedacht heißt das Main-Lining oder Manifolding und liefert die symmetrischste Canopy überhaupt — zum Preis von 2–3 zusätzlichen Wachstumswochen (EMCDDA-Grower-Umfragen, 2021).
Passende Samen bei Azarius
LST funktioniert bei jeder Cannabis-Genetik, manche Sorten vertragen es aber deutlich besser als andere. Wenn du Samen speziell fürs Training suchst: Photoperiod-Hybriden von Royal Queen Seeds, Dutch Passion und Sensi Seeds vertragen auch forsches Arbeiten, weil sie lange Wachstumsfenster und flexible Stängel haben. Autoflower-feminisierte Samen derselben Züchter sind fürs LST ebenfalls spannend — mit dem oben beschriebenen engeren Zeitplan. Viele Grower bestellen ein gemischtes Paket, um zu testen, wie unterschiedliche Genetiken auf denselben Trainingsrhythmus reagieren.
Letzte Aktualisierung: April 2026
Häufig gestellte Fragen
8 FragenWann sollte ich mit LST an einer Cannabispflanze beginnen?
Kann man Autoflower gefahrlos per LST trainieren?
Was ist der Unterschied zwischen LST und Topping?
Steigert LST wirklich meinen Cannabis-Ertrag?
Wie verhindere ich, dass Zweige nach dem Fixieren wieder nach oben wachsen?
Muss ich bei LST zusätzlich entlauben?
Kann LST Stängel brechen, und wie repariere ich einen geknickten Ast?
Welche Topfgröße und Zeltgröße brauche ich für effektives LST?
Über diesen Artikel
Luke Sholl schreibt seit 2011 über Cannabis, Cannabinoide und die weitreichenden Vorteile der Natur und baut seit über einem Jahrzehnt selbst Cannabis in Homegrow-Zelten an. Diese praktische Anbauerfahrung – die den gesa
Dieser Wiki-Artikel wurde mit KI-Unterstützung verfasst und von Luke Sholl geprüft, External contributor since 2026. Redaktionelle Aufsicht durch Adam Parsons.
Medizinischer Hinweis. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere vor der Verwendung einer Substanz eine qualifizierte Fachperson im Gesundheitswesen.
Zuletzt geprüft am 24. April 2026
References
- [1]Backer, R., Schwinghamer, T., Rosenbaum, P., McCarty, V., Eichhorn Bilodeau, S., Lyu, D., et al. (2019). Closing the yield gap for cannabis: a meta-analysis of factors determining cannabis yield. Frontiers in Plant Science, 10, 495. DOI: 10.3389/fpls.2019.00495
- [2]Stamets, P. (1996). Psilocybin Mushrooms of the World. Ten Speed Press, Berkeley, CA.
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